Dienstag, 24. November 2009

Der GOtt, der Eisen wachsen ließ,


der schuf, liebe Leser, irgendwann auch einmal das Weißblech und damit die Konserven- und Bierdose; als Fußstapfen seiner segensreich waltenden Allmacht an sich völlig ausreichend. Der unverständige Mensch aber verlötete um die Mitte des vorletzten Jahrhunderts in seiner notorischen Verstocktheit die Weißblechdosen mit Bleinähten und richtete damit wahrscheinlich die Crew John Franklins auf ihrer letzten Polarexpedition hin. Dialektik der Aufklärung? Dumm, saudumm jedenfalls, und wieder einmal typisch für das positivistisch irrelaufende 19. Jahrhundert.

Aber den Fortschritt in seinem Lauf halten ja bekanntlich weder Ochs noch Esel auf, und nach 150 Jahren ist die Geschichte, ohnehin in ewiger Verbesserung befangen, über diese Anfangsfehler lächelnd hinweg geschritten. Der postmoderne Mensch, obwohl in vielem nur noch ein Simulacrum seiner selbst, verleiht sogar den magersten technischen Produkten jene höhere Humanität und finale Ästhetik, die sich dankenswerterweise weit von dem kolonial-imperialistischen Schabernack der Altvorderen (Polarexpeditionen!) entfernt hat. Konsequent also nur die Markteinführung eines Produktes, das wie kein anderes in unserem uniformen Küchen-Alltag jenen Hautgout patriotisch-ganzheitlichen Weltbürgersinns zu etablieren imstande ist, dessen wir alle so dringend bedürfen.



Begrüßen, nein: feiern Sie mit mir diesen gesamtdeutschen Einheitstopf. Ich habe ihn in einem nordwestdeutschen Supermarkt gekauft, er war sehr billig. 20 Jahre Mauerfall haben ihn möglich gemacht, denn er stammt aus den blühenden Ländereien der brandenburgischen Ostprignitz. 20% mehr Inhalt erzeugen 20% mehr Genuß: Ganz natürlich, da in Alemania Genuß allezeit quantitativ, nämlich über die Menge der verschlungenen Nährmittel, definiert worden ist, von einigen zweifelhaften, an die degenerierten französischen Nachbarn angrenzenden Territorien abgesehen. Das Design des Topfes aber belegt zusätzlich: Noch lebt die alte Treue bzw. Deutschland eben doch einig Vaterland. Und Bleinähte sind von außen jedenfalls auch nicht zu erkennen. Die Zubereitung des Topfes aber verweist auf den hohen Stand der neudeutschen Kochkunst. Wir dürfen lesen: "Herd - Inhalt in einen Topf geben, gelegentlich umrühren, Kochen nicht erforderlich". Unerwähnt bleibt, daß der Topf beim gelegentlichen Umrühren auch erhitzt werden muß - so etwas versteht sich in der deutschen Einheitsküche nämlich von selbst. Das ist großartig, ganz großarrtig!

Wie, Sie finden die Bezeichnung Zigeuner-Topf nicht ganz comme il faut? Eventuell sogar politisch teilweise unkorrekt? Na, na, es handelt sich immerhin um eine öh historisch gewachsene Bezeichnung, die mit dem Inhalt des Topfes nichts, aber auch gar nichts... Was? Nein, ich glaube nicht, daß der Name des Topfes eine Anspielung auf die neugewonnene Nomadenexistenz vieler Tausend ostdeutscher Mitbürger ist, die auf dem Weg in die Heimat oder zur Arbeit mit ihren bonbonfarbigen Kleinwagen frei- und sonntags die A9 verstopfen... Oh, Sie wollen wissen, was sich in dem Topf befindet? Nun, kleine, lustige Schweinderl, in Würfel geschnitten, mit Gemüse und feuriger Soße, und jede Vermutung, daß diese Schweinderl nicht gesamtdeutsch, sondern von jenseits der Oder... Wie, Sie sind der Meinung, Verfasser dieser Zeilen solle jetzt endlich den Mund halten, bevor die Sache vollständig entgleist? Na schön, aber eins sag' ich Ihnen: Essen werde ich diesen Topf nicht, sondern fein säuberlich wegstellen und aufbewahren. Als Wurfgeschoß für's Jüngste Gericht.

Und wenn Sie fragen, warum über einen Monat auf diesem Blog nichts los war? Ja, Herrschaften, weil ich schönen und seltenen Büchern hinterherjagt, Messen bestückt, Berge von Auktionskatalogen durchpflügt, Kunden besucht, Ankäufe bearbeitet, Verkäufe abgewickelt und nebenher auch noch eine lädierte Katze gepflegt habe.

Aber ich gelobe Besserung. Schon bald gibt's wieder den gewohnten Pot-au-Livres bzw. Altdeutschen Büchertopf: Literaturgeschnetzeltes in feuriger Maroquinsauce. Mit approx. 20% mehr Genuß. Denn mehr ist einfach mehr.


Bon appetit,

Ihr Otto W. Plocher

Freitag, 2. Oktober 2009

Dringende Lektüreempfehlung


Wir unterbrechen das Programm für eine dringende Lektüreempfehlung

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Rainer Friedrich Meyer & Rainer Meyer

in


Interview mit einem Antiquar


Nachzulesen auf deren Blog: http://tinyurl.com/ybmd3zs


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Programmunterbrechung Ende

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Formbewußt und dünn ausgeblasen


Liebe Buchfreunde, Sammler und Kollegen,

ich möchte Ihnen den 16 Katalog des Antiquariats Andreas Müller & Solveig Draheim vorstellen (die Bilder sind wie immer durch Anklicken zu vergrößern).

Vorbemerkung: Andreas Müller (früher im Taunus ansässig, heute in Potsdam) hat nach langen Jahren im Auktionsgewerbe bei den Firmen Schramm (Kiel) und Reiss (Königstein) im Jahre 2001 seine eigene Katalogarbeit begonnen mit dem herausragenden Katalog Fundgruben des Orients und der Antike – Reflexe orientalischer und antiker Sprache und Kultur in Büchern des 17.-19. Jahrhunderts. Die Themengebiete der seitdem halbjährig erschienen, opulent bebilderten und aufwendig gedruckten Kataloge im Din A4–Format waren Museologie, Naturgeschichte, Geologie, Wunderkammerliteratur und wissenschaftliche Autographen / Zeitschriften zu den genannten Themengebieten, bevorzugt des 17. und 18. Jahrhunderts. In seinen Katalogen finden sich nicht nur einschlägige große Standardwerke und außerordentlich seltene, versteckte Kleinschriften (nach Möglichkeit in exzeptionellen, qualitativ oft einmaligen Einbänden), sondern auch Kunstkammer–Objekte wie Antike Gläser, Apothekergefäße, Daktyliotheken, Xylotheken (Holz–Bibliotheken), Herbarien und Pomologische Kabinettstücke (Wachsfrüchte). Damit beschreitet Andreas Müller einen Weg jenseits der traditionellen Fixierung des Buchantiquars auf Gedrucktes, den man nur als äußerst gelungen bezeichnen kann.


Andreas Müller präsentiert in seinem großzügig bebilderten 16. Katalog zusammen mit seiner Lebensgefährtin Frau Solveig Draheim, die mit ihm das Geschäft seit Ende des letzten Jahres führt, einen repräsentativen, 68seitigen Querschnitt von 58 Positionen aus seinen Spezialgebieten mit Schwerpunkt Orient / Asien – aber nicht nur. Das Umschlagsbild mußte von uns leider zensiert werden (schließlich sind Kinder im Hause), nicht aber die folgende Trouvaille der besonderen Art: Die islamische Gemmensammlung des Duc de Blacas, das früheste Handbuch islamischen Edelsteinschnittes, 1828 von J.T. Reinaud herausgegeben. Der Katalog, aus den Pressen der Königlichen Druckerei, an sich schon selten genug, in diesen splendiden Restaurations-Einbänden (langnarbiges rotes Maroquin mit Wappensupralibros von Charles X und blauen Seidenvorsätzen) aber sicherlich ein exemplaire singulaire (Description des Monumens Musulmans du Cabinet de M. le Duc Blacas; 7500 Euro).


Es finden sich noch weitere Köstlichkeiten, angefangen bei Behrens: Mecklenburgische Land-Baukunst von 1796 (2000 Euro), für die historische Dokumentation von Guts- und Landhäusern im Nordosten der Republik von einiger Wichtigkeit; Dalbergs Abhandlung Ueber die Musik der Indier (1802; 1600 Euro); die bedeutende Zeitschrift Eichhorns Allgemeine Bibliothek der biblischen Litteratur aus den Jahren 1787-1801 (2800 Euro; von großer Bedeutung für Goethes Orient-Rezeption); ein in blindgeprägtes weißes Schafleder gebundenes, barockes Schriftmusterbuch aus Nürnberg in blendendem Zustand (Ernesti: Die Wol-eingerichtete Buchdruckerey, 1733, in Quer-4°) für gar nicht übertriebene 3000 Euro, das Exemplar ist wirklich phantastisch; eine frühe Wasserzeichenkunde von Gotthelf Fischer von Waldheim: Versuch die Papierzeichen als Kennzeichen der Alterthumskunde anzuwenden (1804; 850 Euro); einige Holztapeten [!] des frühen 20. Jahrhunderts (500 Euro); vier Werke des Asienforschers Julius von Klaproth (zwischen 180 und 2800 Euro) und drei seines Widersachers Isaac Jacob Schmidt: Den ersten mongolischen Bibeldruck (St. Petersburg 1819; 4500 Euro), seine Geschichte der Ost-Mongolen (ebenda 1829; 2800 Euro) und die Tibetische Grammatik, gedruckt in russischer Sprache (dito 1839; 3000 Euro).

Was soll man da noch sagen? Man blättert, die Herztropfen auf dem Teetisch, vorsichtig weiter. Ein frisches Exemplar von Niebuhrs Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern in guten Lederbänden der Zeit (1774-78; 8500 Euro), flankiert von den Kieler Blättern, in denen sich die Biographie des wackeren Forschers aus der Feder seines Sohnes findet (1815-18; 600 Euro, ein Friedenspreis) überraschen fast gar nicht mehr; die zweisprachig gedruckte, dreibändige Hafis-Ausgabe Rosenzweig-Schwannaus (1858-64; 2800 Euro) in außergewöhnlich qualitätvollen Halblederbänden ebensowenig. Das Auftreten der vollständigen Indischen Bibliothek August Wilhelm Schlegels in den Original-Umschlägen (also im Zustand der Verlagsauslieferung von 1820-30; 2800 Euro) allerdings schon: Mon Dieu!




Daß die praktisch unauffindbaren 12 Seiten Druckmuster für Schlegels Sanskrit-Typographie aus dem Jahre 1821 (Specimen novae typographiae Indicae, in einem Sammelband des Schlegel-Schülers de Chézy; 4500 Euro) auf dem Fuße folgen, ist von berückender Folgerichtigkeit und zeigt die kompilatorische Intelligenz unseres Antiquar-Doppelsternsystems. Die Beiden halten nicht nur wie gute Hirten die Schäflein zusammen, sondern sie bringen auch entlaufene Exemplare mit erheblichem Aufwand (und unter erheblichen Aufwendungen) wieder an den Ort Ihrer Bestimmung zurück, wie Castor & Pollux auf der immerwährenden Suche nach dem Goldenen Vlies. Antiquariat, wie es sein soll.

Fast überflüssig, weitere Höhepunkte des Katalogs zu erwähnen: Die anonyme Ölstudie eines Koboldmakis auf einem Aststumpf (um 1830; 1200 Euro); die erste Ausgabe des Katalogs der Prillwitzer Idole, nach Beringers Lügensteinen die bekannteste Fälschung des 18., Jahrhunderts: Der Neubrandenburger Syndikus Pistorius hatte 1771 den Fund eines großen wendischen Pantheons in Prillwitz am Tollensee inszeniert und die gelehrte Welt auf das Heftigste gefoppt (Die gottesdienstlichen Alterthümer der Obotriten; 1500 Euro. - Muß doch mal wieder Fontanes Vor dem Sturm lesen!). – Kompositorisch ausgezeichnet: Die (auch alphabetisch) letzte Position des Katalogs, Withofs Das meuchelmörderische Reich der Assassinen, das zum Verständnis des derzeitigen (behaupteten?) Clash of Religions mehr als erhellend sein könnte (1765; der Preis von 1350 Euro nun wirklich andante un poco tranquillo).

Zu Müllers & Draheims Angebot gehören immer wieder Objekte, die -sinnreich um die Bücher gruppiert- vergangene Welten in Kabinettform vor uns aufscheinen lassen. Ihre außergewöhnlichen Kataloge behandeln nicht nur thematisch die Kunst– und Wunderkammern, sie entspringen aus dem Geist derselben. So steht neben der Stapelkasten-Daktyliothek Bertel Thorwaldsens mit ihren 50 Gemmen auf 4 Holztableaus, die den seltenen Fall einer Oeuvre-Daktyliothek repräsentiert (1831 von Tommaso Cades ediert; 6000 Euro), eine kleine Sammlung Mecklenburger Waldgläser: Binderandgefäße, Bouteillen, Gnidelsteine, Häfen, Satten und Tintenfässchen, grünlich-halbdurchsichtig, und ebenso kompetent, gründlich und einleuchtend beschrieben wie alle anderen Objekte dieses bezaubernden Katalogs, formbewußt und dünn ausgeblasen.


Als abschließende Rarität ersten Ranges möchte ich auf eine Tisch-Sonnenuhr von Franz Xaver Joseph Bovius aus Solnhofener Plattenkalk im Format 22x19,5 cm (1712; 11500 Euro) hinweisen. Ich gebe Ihnen unter der Abbildung auch hier die vollständige Titelaufnahme als Beleg pars pro toto für die Qualität aller Titelbeschreibungen des Katalogs:



Eine persönliche Bitte. Falls Interessenten sich den Katalog bestellen möchten, bitte ich höflich um eine Bestellung bei Andreas Müller & Solveig Draheim via Brief und der Beilegung von 10–15 Euro. Wohlgemerkt: Ich bitte darum, nicht die Kollege nMüller & Draheim. Anerkennen Sie deren unendlichen Fleiß & stupende Kenntnis. – Der Katalog erscheint in kleiner Auflage und war in der Herstellung aufwendig.

Danke für Ihr Interesse, Ihr Otto W. Plocher

Antiquariat Andreas Müller & Solveig Draheim
Carl-von-Ossietzky-Strasse 27
14471 Potsdam
Tel. 0331-2437248
Fax 0331-2901296

Mittwoch, 30. September 2009

Maxima in Minissimis - Nachtrag


Liebe Leser,

neulich habe ich Ihnen von einem Miniatur-Almanach aus dem pariser Verlag Marcilly auf das Jahr 1843 berichtet, und bei diesem Anlaß über die schlechte bibliographische Lage in meiner nordwestdeutschen Heimat geschimpft.

















Heute aber traf die langersehnte Fernleihe ein, der Jahresband 1959 des Bulletin du Bibliophile et du Bibliothécaire (Revue bimestrielle fondée en 1834 par J. Techener; sie sind uns einfach über, unsere südwestlichen Nachbarn...), enthaltend den großartigen Artikel Almanachs minuscules francais aus der Feder Roger Castaings, in dem unter anderem ein Verzeichnis der Almanachs minuscules francais édités a Paris de 1750 a 1850 gegeben wird.

Wir erfahren, daß unser Almanach der erste in einer Reihe von drei Jahresalmanachen war (1843-1844-1845). Eine Seite mit Einbandabbildungen (leider nicht reproduzierbar; schon die verbotene Anfertigung der Kopien des Textes fand unter Gefahr für Leib und Leben statt) belegt, daß viele der Miniaturbüchlein sehr hübsch gebunden waren und sich neben fleuralen Deckenstempeln so reizende Motive wie Urnen, Leiern, Füllhörner, nektartrinkende Vögelchen (auf 2,5 x 1,5 cm!) und sogar Eichhörnchen finden.

In der sich anschließenden
Description générale des Almanachs minuscules, Pionierarbeit einer bibliophilen Bestandsaufnahme, findet sich ein besonderer Abschnitt zu den von Marcilly verlegten Almanachen. Es wird berichtet, daß Marcilly zwischen den Jahren 1798 und 1849 Miniaturbücher verlegt hat. Der Druckvermerk wandelte sich dabei von über Marcilly - marchand papetier, rue Julien-le-Pauvre über Marcilly - librairie éditeur, Rue Saint-Jacques No. 21 bis zur letzten Adresse Rue Saint-Jacques No. 10. Diese Straße war für ihre kunstfertigen Buchbinder bekannt. Unser Bändchen aus der Spätzeit Marcillys verzeichnet schon die Hausnummer 10. - Alle Almanache Marcillys zählen 64 Seiten und sind meistens in rotes Maroquin, gelegentlich auch in grünes oder violettes, gebunden. Einen frühen Kinder-Almanach hat Marcilly komplett en sanguine, in Röteldruck, verlegt; einige seiner Werke ließ er von der bekannten Pariser Presse F. Didot drucken. Die Zahl der Illustrationen sank von anfänglich 12 auf 6 (wie bei unserem Exemplar); möglicherweise aus Kostengründen.

Zu den Miniatur-Almanachen insgesamt bemerkt Castaing, daß sie auf die
mode des breloques, die Mode der Berlocken (Bijoux / Schmuckanhänger kleinen Formats, die man an Uhren oder Zier-Ketten trug) des 18. Jahrhunderts zurückgehen und die Revolutionsjahre überdauert haben, auch von Konfiseriegeschäften in der Rue des Lombards an besondere Kunden verschenkt wurden, und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend à but uniquement commercial, also zu Werbezwecken, hergestellt wurden.

Wir können also die bibliographischen Angaben zu unserem Almanach um die spröde Angabe "Castaing 5" erweitern.

Danke für Ihr Interesse! Ihr OW Plocher

Montag, 14. September 2009

Maxima in Minissimis


für Hartmut Erlemann

Wenn das Schicksal, liebe Leser, uns 1 Zeichen gibt, dann heißt es: Kopf einziehen, beten, und kleine Brötchen backen. Wie? Stimmt so nicht? Paßt aber schön zu meiner heutigen Buchvorstellung. - Neulich hatte ich mich ja schon mit einer Duodez- und Etuiausgabe des Katzenberger befaßt (übrigens traf gestern ein weiteres Exemplar in einem wunderschönen, etwas beschabten roten Leineneinband mit reicher arabesk-floraler Deckelvergoldung und Goldschnitt aus der Bibliothek des Wiener Hofrats Josef Loos ein, die Katze läßt das Mausen halt partout nicht, siehe hier):























Weil ich neulich also schon in Doudez machte, muß ich heute schon sehr klein werden und - zeige Ihnen ein Buch kleinsten Formats, den etwas über 2,5 Zentimeter großen Miniatur-Almanach für das Jahr 1843 aus dem bekannten Pariser Miniaturbuch-Verlag Marcilly.

Zunächst die Titelaufnahme:

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[Anonym]: La Miniature.

Paris: A Marcilly 1843 [1842].

32° (26 : 18 mm). 64 Seiten. Mit 6 Kupferstichen. Roter flexibler Original-Maroquinband des Verlags mit vergoldeter, umlaufender Deckelbordüre, floralen Zentralstempeln, sternförmiger Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Grand-Carteret: Les Almanachs francais 2333. - Miniature Books from the Collection of Doris Varner Welsh 5025: „La Miniature, 1843 [Almanac] Paris, A. Marcilly [1842]“ - Nicht bei Spielmann (Catalogue of the Library of Miniature Books collected by Percy Edwin Spielmann) und Mikrobiblion (Petri: Das Buch von den kleinen Büchern. Bibliographie der Sammlung Vera von Rosenberg) - Bondy erwähnt in seinem Standardwerk Miniaturbücher - Von den Anfängen bis heute (München 1988) die Almanache des Verlags nur summarisch. - Der schöne Einband etwas verzogen, Ecken bestoßen. Vorderes Außengelenk mit minimalen Einrissen. Vorsätze gebräunt, vorderes Innengelenk gelockert. Einige kleinere Eselsohren. Letztes Textblatt mit kurzem Einriß.

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Ich verzichte auf alle Späße, die sich bei einem Werk dieser Größenordnung aufdrängen wie etwa den Hinweis darauf, daß das Exemplar naturgemäß nur kleine Mängel aufweist, daß es sich insbesondere für Sammler in kleinen Wohnungen eignet, das Format zwar klein, die Verlustgefahr aber groß ist und eine Lektüre sich im Bett verbietet, da die Bettwanzen an dem Band Gefallen finden und ihn leicht verschleppen könnten, und gebe vielmehr unumwunden zu, daß ich gegen Miniaturbücher eigentlich immer kleine Vorurteile gehegt habe, die weitgehend mit denen gegen Puppenstuben und ihre Liebhaber übereinstimmten: Mir war das immer zu niedlich, zu sehr auf den (Miniatur-)Effekt hin drapiert. Das war esehr dumm von mir, und ich leiste hiermit Abbitte.

Eine erneute Lektüre von Petrarcas legendärem Mont Ventoux-Erlebnis, das ja den Anfang neuzeitlicher Naturästhetik markieren soll, hat mein Interesse an kleineren "Handexemplaren", den Vorläufern der "Pocket-Books", geweckt: Petrarca schreibt, daß er auf dem Gipfel des Berges eine Augustinus-Ausgabe, die er immer mit sich führte, zur Lektüre benutzt habe (Confessionum Augustini librum quem habeo semper in manibus : Die Bekenntnisse Augustinus', die ich immer in meinen Händen habe / mit mir führe). Es mußte sich also um eine recht kleine Ausgabe gehandelt haben, genauer: um ein kleines Manuskript (Petrarca bestieg den Mont Ventoux 1336). Vielleicht nicht gerade im Miniaturformat gebunden, das je nach Definition bei 10 cm Rückenhöhe endet, möglicherweise im Elzevier- oder Cazinformat (11-13 cm). - Kurz danach hatte ich das Glück, einen frühen Miniatur-Druck aus der Presse des bekannten Antwerpener Drucker Plantijn (ca 35 mm Rückenhöhe) vom Ende des 16. Jahrhunderts in einem zeitgenössischen Einband bei einem Sammler in den Händen halten zu dürfen. Das hat mich vollends von der Bedeutung des Gebiets überzeugt.



Als mir etwas später der vorliegende, wirklich sehr kleine Almanach angeboten wurde, konnte ich schlechterdings nicht widerstehen, zumal er mit sechs entzückenden und fein gearbeiteten Kupferstichen versehen ist und im einen schönen, in meiner Photographie farblich leicht abweichend wiedergegebenen, roten Maroquineinband gebunden ist.


Der Amsterdamer Antiquar Abraham Horodisch, der auch selbst Miniaturbücher verlegte, hat in der Zeitschrift Aus dem Antiquariat (Jahrgang 1978, S. 39ff.) einen ausgezeichneten Aufsatz Über Bücher kleinsten Formats geschrieben, der sich vor allem den frühen Exemplaren dieser Gattung widmet. Horodisch betont ausdrücklich, daß es sich bis ins 18. Jahrhundert hinein bei den Bänden kaum um zu bibliophilen Sammlerzwecken gedruckte Bände gehandelt hat, sondern um Gebrauchsbücher, und bringt eine Vielzahl von Beispielen, angefangen in der Inkunabelzeit. Die Fülle der Belege allein für die Frühdruckzeit und das 16. Jahrhundert ist enorm und die kenntnisreichen Kommentare des Verfasser ein Vergnügen. - Im 19. Jahrhundert wurden die Drucker sich dann der Miniaturbücher als Sammelgebiet (und als Medium der Präsentation ihrer handwerklichen Virtuosität) zunehmend bewußt, es finden sich vermehrt Anspielungen auf die exotische Besonderheit der Gattung in den Büchern selbst wieder, wie schon der Titel unseres Almanachs, La Miniature, beweist. Horodisch bemerkt zwar: ...die reizenden, meist illustrierten Ausgaben von Marcilly (Paris zwischen 1810 und 1840, größtenteils auch von Didot gedruckt) sind heute gesuchte Bibliophilenstücke, bei Erscheinen waren es Büchlein für die Kinder und nichts mehr, aber für unseren etwas späteren Almanach gilt das nur bedingt. Er steht am Ende einer Hochphase der Miniaturbuch-Produktion und reflektiert die eigene Gattung. Er will bereits auch ein Sammlerstück, eine bibliophile Kuriosität, ein Bibelot sein und verweist damit auf die Produktion der Miniaturbücher des 20. Jahrhunderts, die sich bewußt auf ihre eigene kuriose Tradition beziehen; von den Miniatur-Wörterbüchern, die man auf der Reise mit sich führt, einmal abgesehen. - Ich geben Ihnen noch zwei Bilder, die die Dimensionen des Büchleins anschaulich machen:


















Das sehr zu empfehlende Standardwerk von Louis Wolfgang Bondy (Miniaturbücher. München 1988. - Louis W. Bondy: So muß ein Mann aussehen, und nicht wie ein gegeelter Fex!) widmet den französischen Almanachen im Miniaturformat ein eigenes Kapitel. Ich zitiere im folgenden Passagen daraus:

Frankreich ist möglicherweise das Land, in dem die Kunst des Almanachs ihren Gipfel erreichte. Zahlreiche dieser Publikationen wurden im Miniaturformat publiziert und waren so winzig, daß sie heute als "almanachs microscopiques" klassifiziert werden.
Eine große Anzahl kleinerer Almanache, die in Paris im 18. und 19. Jahrhundert erschienen [...] sind alle durchgängig gestochen und mit wunderschönen ganzseitigen Tafeln illustriert. Ihre Maße betragen zwischen 22 x 16 mm und 28 x 19 mm - ein wirklich sehr kleines Format. Die meisten Exemplare sind in zeitgenössisches Maroquin gebunden, die Mehrzahl in rotes oder rotbraunes.
Diese mikroskopisch kleinen Almanache nahmen ihren Anfang in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Da sie in der Hauptsache als Geschenke für Damen oder junge Leute gedacht waren, wurden sie oft von Schokoladegeschäften, Konditoreien etc. als Neujahrsgaben an die besten Kunden verteilt. Castaing gibt in seiner Liste französischer Miniaturalmanache an, daß sechs zwischen 1765 und 1784 herausgebracht wurden, 19 zwischen 1789 und 1803, 39 zwischen 1816 und 1830 und 13 zwischen 1831 und 1850.
Die meisten Almanache [des frühen 19. Jahrhunderts, OWP] tragen den Druckvermerk von Jubert, Janet, Marcilly [unser Exemplar] oder Le Fuel. Sie enthalten alle Lieder und hübsch gestochene Tafeln zur Illustration der Texte; gelegentlich sind auch Musiknoten dabei. Sie umfassen 64 Seiten, darin eingeschlossen der obligatorische Kalender. Ihre Titel spiegeln den vergnüglichen Inhalt wieder [wie in unserem Fall die Gedichtüberschriften auf Freundschaftskult und Fabelwelt verweisen: Le Gondolier - Vive la Gaité - A Bacchus - L'Ours et le Renard - Minuit - L'Hiver; OWP].














Es handelt sich bei unserem Büchlein, wenn es auch sicherlich nicht zu den großen Raritäten unter den Miniaturbüchern zählt, also um ein recht späten, nicht allzu häufigen Almanach. Leider liegt mir derzeit die Liste von Roger Castaing: Almanachs minuscules francais (1959 im Pariser Bulletin du Bibliophile erschienen) nicht vor, sonst könnte ich Ihnen mehr über die französischen Almanache der Zeit berichten: Der Nordwesten ist in dieser Beziehung leider notorisch unterversorgt; die Universitätsbibliothek Oldenburg hat sich auf den Erwerb mit dem Tag des Erscheinens veraltender pädagogischer Schriften und "Gender-Study-Literature" spezialisiert. Allerdings ist mein bibliographischer Ehrgeiz angefeuert und Fernleihen wurden bereits in Auftrag gegeben.















Zwei weitere Beispiele für die reizvollen Kupferstiche und die dazugehörigen Gedichte. Die Darstellung ist wegen des kleinen Formats schwierig; die Scanbilder verzerren die Ränder etwas. Deutlich ist zu erkennen, daß beim Falzen und Schneiden des Bogens (die 64 Seiten des Buchs sind auf einem Bogen gedruckt) sich kleine Fehler rächen: Das rechte Kupfer ist gegenüber dem Textrahmen etwas verrutscht.

Ein kleiner Hinweis zum Schluß: Wenn man den floralen Zentralstempel auf den Deckeln des Bändchens mit den Stempeln vergleicht, die sich bei Oktavbänden oft als florale Rückenvergoldung wiederfinden, wird man leicht feststellen, daß es sich um einen "zweckentfremdeten" Stempel handelt, der nicht extra für unser Bändchen angefertigt wurde: Das Stempel-Material war immens teuer! So wirkt die verwendete Blume fast ein bißchen überdimensioniert.

Der Band -diesen Hinweis dürfen Sie aber gerne überlesen- wird von uns auf der Hamburger Messe Quod Libet vom 13.-15. November ausgestellt und ist ab sofort um ein Geringes käuflich zu erwerben. Denn was sind heutzutage schon 100 Euro? Nichts. Und was ist wenig mehr als das dreifache von nichts? Immer noch fast nichts. Und das incl. Mehrwertsteuer.

Ich verabschiede mich von Ihnen mit einem letzten Kupferstich im Format 19 x 12 mm und dem dazugehörigen Gedicht aus dem Werkchen, das dem (auch uns bald drohenden) Winter gewidmet ist: L'Hiver.


L'Hiver

Le ciel est sans couleur
La terre est moissonnée
Nos près n'ont plus d'odeur
Et leur herbe et fanée.

Les bergers
tout transis
Sous des brises
humides.

En cercle
sont assis
Près de grands
feux timpides.

Dans le fond
de nos bois
Régne un
morne silence.

La nature
est
sans voix
C'est l'hiver
qui
commence.

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Vielen Dank für Ihr Interesse, Ihr OW Plocher


Dienstag, 8. September 2009

Na also,

geht doch, wenn ich will, liebe Leser. Ein neues KFZ ist installiert, herrlicher als zuvor, und ich kann sogar schon wieder lachen (sieht man nur leider unter den Mumienverbänden nicht) und mit zusammengebissenen Zähnen Pommes frites essen. In den nächsten Tagen geht's weiter, und zwar mit Buchvorstellungen, passend zur mächtig nahenden Hamburger Messe Quod Libet, auf der ich Teile meines Buchbestands und meinen restaurierten Körper hoffentlich recht erfolgreich präsentieren werde, und -dies eine Drohung der besonderen Art- mit einem kleinen Fortsetzungs-Krimi: Das Antiquariat als geistige Lebensform. Der Bericht, der alle Züge einer schlechten Selbst-Apologie trägt, beginnt mit der Landung eines Ufos in der Norddeutschen Tiefebene und führt den geneigten Leser über Ciceros De oratore, das verlorene Paradies und das englisch-akademische Clubleben direkt ins Antiquariat Plocher - sehr natürlich, wie mir dünkt.

Freuen wir uns also des Lebens, so lange noch das Batterielämpchen glüht.

Viele Grüße, Ihr OW Plocher


Achja, fast vergessen - hier noch 1 Bild, das zeigt, wofür es sich zu leben lohnt. Wer Angaben machen kann, soll sich beim Amt melden.


Montag, 31. August 2009

Von den Freuden des Landlebens


habe ich heute nichts zu berichten, liebe Leser, sondern im Gegenteil von den Leiden desselben. Gestern entschloß sich mein Wägelchen (freilich mit mir am Steuer), die notdürftig asphaltierte Straße mit einem Reifen zu verlassen. Dies hat in einer Landschaft, in der die Straßen aufgeschüttete Fahrdämme sind, die birkengesäumten Bermen aus aufgeweichtem Matsch bestehen und sauber angeschrägt in drei Meter tiefen Gräben enden, nicht selten tödliche Folgen - in meinem Falle glücklicherweise nicht; nur der Wagen und zwei mittelalte Birken sind den Weg alles Irdischen gegangen, dies aber ziemlich nachhaltig.

Ich bitte daher um Verständnis für eine kleine Blog-Pause. Weder kann ich gescheit laufen und nicken (ohnehin nicht meine Stärke), noch die Arme länger über die Tischplatte heben. Und meine Nase ist zum Schreiben auf der Tastatur einfach zu breit: Gemeinheit des Herstellers. Ansonsten ist teilweise alles in Ordnung. - Bald geht's weiter!

Freundliche Grüsse Ihr OW Plocher

Donnerstag, 27. August 2009

Vorsicht! Werbung in eigener Sache...


... zugleich der "Einblicke in die Cavernen und Abgründe des menschlichen Herzens" zweiter Teil.


Liebe Leser,

der Kollege Paulitz vom Theodor-Storm-Antiquariat in Oldenbüttel war so freundlich, mir in seinem jüngst gegründeten Antiquariats-Anzeiger eine kleine Darstellung meines Geschäfts zu ermöglichen, die mit einer Buchvorstellung gekoppelt ist. Ich präsentiere dort die anonym erschienene, in sternscher Manier gehaltene Launige Reise durch Holland aus dem Jahre 1795. - Wenn Sie also die Neugier überkommt, besuchen Sie den Antiquariats-Anzeiger, dem ich auf diesem Wege viel Glück und Erfolg wünschen möchte. Lieber Kollege Paulitz: Da haben Sie sich eine schöne Arbeit aufgeladen!

Mit freundlichen Grüssen Ihr OW Plocher


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Nachtrag

Liebe Leser, ich muß Ihnen die bedauerliche Mitteilung machen, daß der besprochene Band
bereits einen Liebhaber gefunden hat - ärgerlich genug.
Wozu macht man sich eigentlich die ganze Arbeit?


fragt Ihr entsetzter OW Plocher

Dienstag, 25. August 2009

Geheimnis meines geschäftlichen Erfolgs...


...zugleich der "Einblicke in die Cavernen und Abgründe des menschlichen Herzens" erster Teil.


Liebe Leser,

diese Bekenntnisse fallen mir nicht leicht, aber als ein Mensch, der streng auf die christlichen Traditionen des Abendlands hält, und dem Werte wie Nächstenliebe, Treuherzigkeit, Wahrhafftigkeit und Ehrlichkeit viel, wenn nicht alles, bedeuten, stehe ich gewissermaßen unter "Bekenntniszwang". Verurteilen Sie mich nicht vor der Zeit, hören Sie mich erst an!

Wie Sie sicherlich schon wissen, führe ich neben meinem bibliophilen Buchbestand auch modernere Bücher, geisteswissenschaftliche Studienliteratur, und ganz allgemeine Werke aus allen möglichen Sachgebieten. Dazu zählen auch ältere Klassikerausgaben der Jahrhundertwende, die ja meist wohlfeil sind und trotzdem Freude machen können. Ich selbst habe als ganz junger Mensch mit den Ausgaben der Bongschen und Meyerschen Klassiker-Bibliothek viele Autoren erst lesen und lieben gelernt, bevor ich später mein Herz an deren Originalausgaben verlor... Also bot ich auch brav die 12teilige Fritz-Reuter-Ausgabe des Bong-Verlags (ca. 1920, in 5 Bänden) mit beiliegendem plattdeutschen Wörterbuch in typischen roten Leineneinbänden für ein sehr übersichtliches Geld an.

Die Ausgabe wurde von einer freundlichen Dame bestellt.
Da sie sich in einem entfernteren Außenlager befand (die Ausgabe), machte ich mich bei Schlagregen mit meinem zerfallenden Sechszylinder nächtens auf den Weg. - Der Sturm heulte - umgestürzte Bäume säumten den Weg - Mülltonnen und Bisamratten wehten über die Straße - das Lager wurde mit Mühe erreicht - die abgemagerten, herrenlosen Hunde von der Eingangstür vertrieben - der Strom, falls je vorhanden, war ohnehin ausgefallen - mit einem Griff ins Regal bemächtigte ich mich der Ausgabe - von der Rückfahrt durch Eis- und Nebelmeere schweige ich - dann schlug ich die Bücher gut in Polsterfolie ein, druckte eine Rechung aus und trug das Paket mit einigen anderen am nächsten Tag zur Post. Schon nach wenigen Wochen war die Ausgabe eingetroffen, wie folgende Email belegt, die ich mit gefälliger Erlaubnis der Kundin zitiere:


Sehr geehrter Herr Plocher,

mit großer Freude packte ich heute die Büchersendung aus (Fritz Reuter), alles top und i.O., aber zu meiner großen Verwunderung waren auch Lenaus gesammelte Werke (2 Bände, Bongs Goldene Klassiker) dabei. Sehen genauso aus wie die Reuter-Bände.

Was tun?

Mein Vorschlag: senden Sie mir bitte die Rechnung dazu, es ist eine hübsche Ausgabe und ich habe keine Lust, die Bücher zurückzuschicken. Hoffentlich hat sich noch kein anderer Interessent dafür gemeldet.

Herzlichen Gruß nach Stadland, Ihre XXX YYYYYY.

Das nenne ich menschliche Größe! Wie leicht hätte die Dame mich nötigen können, mein Versagen schamhaft einzugestehen, wie leicht mich zur kostenpflichtigen Rücknahme der Ausgabe zwingen. Nichts dergleichen! Im Gegenteil: Wohlwollen und Freundlichkeit trieben mir die Schamesröte ins Gesicht.

Abends im Bett dann die Erleuchtung: Sollte dieser Fehlgriff, meine Eselei, reiner Zufall gewesen sein? Nein. Zeigte sich darin nicht vielmehr der Fingerzeig einer lieb- und segensreich waltenden Gottheit, auf ein lukratives Geschäftskonezpt hinweisend? Das schon eher!

Ich begann, meinen Lieferungen zunächst schüchtern, dann systematisch und immer frecher zu den bestellten Werken zusätzliche Posten beizulegen. Am Anfang beschränkte ich mich auf Taschenbücher und Bändchen der Inselbücherei und verkaufte auf diesem Wege alle 27 Exemplare von Bindings Opfergang (IB 23) und Brechts Kreidekreis (Edition Suhrkamp 31). Später ging ich zu Fraktur- und Leinenausgaben über. Von den 52 beigegebenen Einzelbänden der fünfbändigen Ibsen-Werkausgabe wurden nur wenige von renitenten Kunden retourniert.

Der Verkausferlös überstieg bei weitem die Kosten der Rücksendungen, zumal ich auch bei der Höhe der Nachforderungen dazulernte. Fast nie kam eine der Beilagen zurück, sehr wohl aber oft die ursprünglich bestellten Werke. Daraus zog ich bald folgerichtig die Konsequenz, daß der Wert der beigelegten Bücher den der Hauptwerke deutlich übersteigen müsse. Schließlich etablierte ich diese Geschäftspraxis auch im Bereich der Alten Drucke. Ich darf mich rühmen, durch das Beilegen einer fragmentarischen Thurneisser-Ausgabe von 1581 zu einem Band der Motorbuch-Reihe Jetzä helfe ich mir selbst (Peugeot 504, Alle Typen außer Diesel) einen solventen Sammler Alter Drucke gewonnen zu haben.

Das von mir entwickelte Geschäftsmodell gedenke ich dahingehend zu vervollkommnen, daß ich sukzessive auf die Auslieferung der eigentlich bestellten Werke verzichten und nur noch die Beilagen expedieren werde - zunehmend auch mit beigefügter Rechnung, die das lästige Nachverhandeln erspart.

Frau XXX YYYYYY aber, die den Anstoß für meine nun ständig wachsende Prosperität gegeben hat, erlaube ich mir, die Lenau-Ausgabe zu schenken. Liebe Frau YYYYYYY: Viel Freude damit! und: Danke!

Freundliche Grüsse Ihr OW Plocher

Montag, 24. August 2009

Antiquarische Himmels=Lust im Hamburgischen



Maxima in Minimis!

Liebe Leser, heute müssen Sie geduldig mit mir sein. Ich gerate leicht in Rage - blase Feueratem - es kocht das Blut, der Herzschlag stockt - die prallen Wangen röten sich - hoch schraubt sich der Stil - die Heroen vergangener Jahrhunderte ziehen in einer Phalanx an mir vorbei - das Breitschwert wird gezogen, wenn auch nur zum Ritterschlag, nicht zum Kampfe - die Ironie wird ironischer, der Ernst ernster, das Pathos pathetischer - Nachsichtig sollen Sie sein, ich bitte Sie recht herzlich, mit mir altem Esel! ---

Ah! Heute gilt es, von Großem zu künden, von Großem, welches in kleiner Gestalt sich camouflierte. Liebe Leser! Freitag Nachmittag reiste ich nach Hamburg. Hamburg! Du Stadt, in der Klopstock seine Oden sang, auf deren Boden ein Lessing wandelte, ein Hagedorn, Du Stadt, die einen Brockes, einen Reimarus, einen Fabricius in ihren Mauern beherbergte! Morgenröte der Frühaufklärung, voll patriotischen Bürgersinns, gediegener Humanität! Tor zu England und der Welt! Hamburg! Dies allein!

Faunisch war der Nachmittag, und fest stand mein Vorsatz, das Antiquariat Halkyone im Lamp'lweg (Altona), dem der versierte Kollege Stechern mit seiner reizenden Gattin vorsteht, zu besuchen. Ein guter Vorsatz! Denn dort fand ich ein Buch, welches zwar nicht zu den großen bibliophilen Raritäten der deutschen Literatur zählt, dessen Autor aber ganz oben auf dem Gipfel des Parnasses wohnt: Jean Pauls Dr. Katzenbergers Badereise, und zwar in der dritten Auflage, gedruckt bei Josef Max in Breslau im Jahre 1849.

Keine bibliophile Rarität, nichts "Großes", wie gesagt, und trotzdem. Oder: Gerade deswegen! Der tapfere Romantikereinband - die Arabesken auf schwarzem Lederrücken (vergrößern Sie bitte das Bild und sehen Sie nur, wie plastisch die Vergoldung hervortritt) - die mit schlichtem Wolkenmarmor bezogenen Deckel - die rührend-ehrlichen Anflüge von Stockfleckchen - das lithographierte Portrait, vom Schwiegersohn des Autors (E. Förster) recht idealisch gezeichnet - die staubigen, marmorierten Schnitte - das charmante Duodezformat (Kollege Stechern spricht von einer "Etui-Ausgabe"): Ist das nicht wunderbar?

Von Jean Paul, liebe Leser, will ich schweigen, sonst endet dieser Bericht nie. Vielleicht ein anderes Mal mehr zu ihm. Nur einige Worte aus der Gedenkrede Ludwig Börnes aus dem Jahre 1825 will ich Ihnen geben, die Sie lächelnd überlesen dürfen, wenn Ihnen danach ist:
Ein Stern ist untergegangen, und das Auge dieses Jahrhunderts wird sich schließen, bevor er wieder erscheint; denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Genius, und erst späte Enkel heißen freudig willkommen, von dem trauernde Väter einst weinend geschieden. Und eine Krone ist gefallen von dem Haupte eines Königs! Und ein Schwert ist gebrochen in der Hand eines Feldherrn; und ein hoher Priester ist gestorben! [...]
Wir hatten Jean Paul, und wir haben ihn nicht mehr, und in ihm verloren wir, was wir nur in ihm besaßen: Kraft und Milde und Glauben und heitern Scherz und entfesselte Rede. Das ist der Stern, der untergegangen: der himmlische Glaube, der in dem Erloschenen uns geleuchtet. Das ist die Krone, die herabgefallen: die Krone der Liebe, die den beherrschte, der sie getragen, wie alle, die ihm untertan gewesen. Das ist das Schwert, das gebrochen: der Spott in scharfer Hand, vor dem Könige zittern und der blutleere Höflinge erröten macht. Und das ist der hohe Priester, der für uns gebetet im Tempel der Natur – er ist dahingeschieden, und unsere Andacht hat keinen Dolmetscher mehr. Wir wollen trauern um ihn, den wir verloren, und um die andern, die ihn nicht verloren. Nicht allen hat er gelebt! Aber eine Zeit wird kommen, da wird er allen geboren, und alle werden ihn beweinen. Er aber steht geduldig an der Pforte des zwanzigsten Jahrhunderts und wartet lächelnd, bis sein schleichend Volk ihm nachkomme. Dann führt er die Müden und Hungrigen ein in die Stadt seiner Liebe; er führt sie unter ein wirtliches Dach: die Vornehmen, verzärtelten Geschmacks, in den Palast des hohen Albano; die Unverwöhnten aber in seines Siebenkäs enge Stube, wo die geschäftige Lenette am Herde waltet und der heiße beißende Wirt mit Pfefferkörnern deutsche Schüsseln würzt. [...]
So war Jean Paul! – Fragt ihr: wo er geboren, wo er gelebt, wo seine Asche ruhe? Vom Himmel ist er gekommen, auf der Erde hat er gewohnt, unser Herz ist sein Grab.


Zurück zum Buch. - Ich führe in meiner kleinen Sammlung alle Katzenberger-Ausgaben des 19. Jahrhunderts. Gar so viele sind es nicht. Die erste Ausgabe aus dem Jahre 1809 in schönem geglätteten Kalbsleder mit rotem Rückenschild und dezenter Vergoldung steht neben der zweiten, kleinerformatigen, 1823 erschienen, deren lackierter, hellbrauner Ledereinband von einem schweizer Buchbinder mit strenger klassizistischer Vergoldung überzogen wurde. Daneben einige spätere Nachdrucke, Neuausgaben und zahlreiche Werkausgaben, in denen sich der Katzenberger findet. Die dritte Ausgabe -die ich gestern erwarb- ist aber mein Sorgenkind. Ich habe diese Ausgabe immer wieder gekauft, um sie bald wieder seufzend hergeben zu müssen. - Wieso das? Ganz einfach: Da ich den Katzenberger allerorten bewerbe, empfehle, lanciere, infiltriere, werde ich oft nach einer günstigen und trotzdem schönen alten Ausgabe gefragt. Die beiden ersten Ausgaben scheiden naturgemäß aus: Für den Anfang zu teuer! Die späteren Nach- und Neudrucke sind nicht besonders attraktiv, die Wahrheit zu sagen. Es bleibt also
die dritte, im Original-Verlag erschienene Auflage, die alle Vorzüge einer Originalausgabe (sogar mit Portrait des Verfassers!) mit einem sehr übersichtlichen Preis kombiniert. Tja, da gehen sie dahin, meine dritten Auflagen, ärgerlich genug! Zugleich aber Anlaß (einer von vielen), nach ihnen zu suchen, zu reisen, über wehrlose Kollegen herzufallen, mit einem Wort: zu antiquarisieren!

Das schönste habe ich zum Schluß aufbewahrt: Eine kurze Betrachtung über die Individualität meines Exemplars. Auf dessen Hinterdeckel finden sich nämlich zwei kleine zeitgenössische Papierschildchen. Das eine stammt vom Buchhändler, der die Ausgabe verkauft, das andere vom Buchbinder, der den schönen Romantikereinband gefertigt hat. Sehen Sie selbst!


Über die Buchhandlung Perthes, Besser und Maucke, ein Name wie Donnerhall, traue ich mich fast gar nicht, etwas zu sagen. Klicken Sie HIER und HIER wenn Sie eine kurze Orientierung via Wikipedia wünschen. Hamburgs große Buchhandlung! - Meine Freude steigerte sich aber zur Raserei, als ich feststellen durfte, noch einen weiteren Band aus der Werkstatt des Buchbinders Domschke in absolut identischer Ausstattung zu besitzen: Thomas Moores großes Versepos Lalla Rukh in der Übersetzung Friedrich de la Motte-Fouqués, Berlin 1847. Glückliche Coinzidenz! Das Leben der Bücher: Fata habent libelli, certe scio! - Es geht noch weiter: Auf dem Vorsatz findet sich ein handschriftlicher Besitzeintrag aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Alfred Beneke. Es darf uns nun nicht mehr verwundern, liebe Leser, daß dieser Herr ebenfalls Hamburger war; seinerzeit ein bekannter Kaufmann, der einige Jahre in Havanna auf Kuba verbracht hat (es existiert sogar eine Edition seiner Korrespondenz aus dieser Zeit), und nach einem New York-Aufenthalt 1847 in die Heimat zurückgekehrt war. Einige Jahre später dürfte er unser Exemplar des Katzenberger im Sortimentsbuchhandel gekauft haben.

Ist das alles großartig. - Ich breche ab. - Es bedarf nicht immer des ganz Großen, um einen Blick in den Bibliophilenhimmel werfen zu können. Maxima in minimis! Für den Preis eines guten Abendessens mit einer Flasche Wein habe ich mich seit Freitag Nachmittag bis zur Abfassung dieser Zeilen approximativ 71,5 Stunden freuen dürfen, freue mich noch immer und werde mich weiterfreuen.

Eine letzte Bemerkung in eigener und fremder Sache sei erlaubt: Wissen Sie jetzt, warum ich so gerne vom Antiquariat als erotischem Ort dahle? Ahnen Sie, warum ich mich oft über die sinnliche Online-Barbarey ereifere, über das Austreiben der Historie und der Individualität aus dem Buchhandel? Warum ich die alten Tugenden und Formen des Antiquariatswesens so wütend verteidige? An den Moment des glücklichen Findens, den Nachmittag, Hamburg, das Antiquariat Halkyone werde ich jedes Mal denken, wenn ich den Katzenberger aus dem Regal ziehe. Was gibt es Schöneres als ein Buch, das durch seine bloße Existenz in der Gegenwart uns poetisch in seine Vergangenheit entführt, dessen Geschichte nicht bei den Buchstaben haltmacht, sondern sie im Metatext seines Lebenslaufes birgt? (RF Meyer). -
Frei nach Jean Paul (Katzenberger, 3. Aufl., S. 205) gesprochen:
O Internet, warum lässest du so wenige deiner Nutzer einen solchen Nachmittag, ach nur eine Stunde daraus erleben? Sie würden sie nie vergessen, sie würden mit ihr, als mit dem Frühling-Weiß und Roth, die Wüsten des Lebens färben - sie würden zwar weinen und schmachten, aber nicht nach Zukunft, sondern nach Vergangenheit - und sie würden, wenn sie stürben, auch sagen: auch ich war in einem richtigen Antiquariat!
Gehet hin und tuet also! - Das Antiquariat Halkyone
übrigens ist, wenn der Weg nach Hamburg zu weit sein sollte (keiner ist es), im Internet auch zu erreichen. Bitte klicken Sie auf den Eisvogel.

Danke für Ihr Interesse, Ihr Otto W. Plocher

Sonntag, 23. August 2009

News from Kroko


1. Kroko was a grim wild monster and his heart was full of anger and the desire for blood. That’s the fact. Everyman was afraid of him. He lived in Black Forest.


2. Kroko’s greatest enemy was an old Antiquarian named Shepherd. For many years he hoped to pack the reptile und so to deliver the mankind from a big nogood. But Kroko was careful and he always stroke Shepherd back. The fight most finished fifty-fifty, though Shepherd had a well-functioning bookstore with a hand-library and Kroko only his short legs and his greengreen swife.


3. Kroko’s preferred meal were always young Antiquarians in the circumstances of innocence. Oh what tasted they excellent! Kroko’s heart was sometimes so angry, that he caught them, ate them, kotzed them and ate them once more. Mmm! Mmmpf! Krssschn!

In his elder days Kroko changed for a short time to eat old boys: Incunabula Dealers, Bourseleaf-Redactors, Nothwestgerman Farmers. So he hoped to get healthy, wealthy and wise. But this was not. Kroko remained stupid.


4. What’s about Kroko’s sex? Now, the Kroko-Research is going conform, that Kroko was no good lover. There was no right partner for him. Although in warm spring-days a dream often visited the monster, that love would be a fine thing. But that losed themselves in age more and more.


5. When a group of young Antiquarians from the Internet-Society of Antiquarian Bookdealers (ISAB) went out for a walk, they losed the right direction and came to Black Forest. To this smiling Kroko only had waited. Nothing rested.


6. In the first Roughnight of the year MMIX Shepherd risked once more to attack Kroko’s höhl. Assisted with a rott of colleagues he went to the place and called: “Go away, Kroko, you are a plag, which we cannot need in our liberty-willing land!” Brumming Kroko quite slowly appeared in front of his home, saw that Shepherd would kill him, and because he was tired, he did not want to fight. “To morrow, Sir, every time!” he cried. So Shepherd had to search the wide.


7. But just so it was vice versa. Still in the night swore Kroko, to murder Shepherd next day. But there was no success in Kroko’s idea. When Kroko arrived Shepherd’s castle, full of the desire for blood, he got told, that Shepherd had started to Ludwigsburg, to help the colleagues against Stuttgart. Later on Shepherd died in high age a natural death, top respected by his colleagues and the Upper-Class-Antiquarians and quite quiet in his bed. Kroko had the afterlook.


8. Who were Kroko’s parents? Now, his father was called Old Smokey and worked as a centerguard of King Marke, the mother of Kroko was the daughter of a famous Egyptian sunking and wegsleppt by pirates. The young peoples got notice one from another in Villingen-Schwenningen. So Kroko could be born. But there was no blessing on his life…


9. In the year MMIX Kroko went out to snap a tender young Antiquarian to fress him. But he might go and go, look and look: he found no. So he got angry and angrier and always angrier, angrier than even before. At last he went home again.


10. Another mischief of Kroko was : he could not pack Doctors, who belonged to the new religion Christendom. Once, in the year MMIX Kroko flacked in front of his höhl and reflected his Ebay-account, which has been completely invain. In this moment a Bourseleaf-Redactor came the way to walk a little. “Good heaven”, thaught Kroko, “today is what falling!” Much too late the Redactor saw grim Kroko, he was filled with cold graus, falled to earth and cried to his God, he might save him, he would also never homely use Twitter and Facebook.

In the same minute Kroko noted his anability to kill the Redactor because of the cross over his wams. Kroko rised and crept to the bibbering man: “Oh you Beast”, he said, “don’t be anxious. Christian Doctors I cannot do anything. They are sure because of the Crucifix on their neck. I am a Heide. Sorry. By!” Said it and trolled back to his höhl.


11. So with the rising of the new time it could not miss, that Kroko got more and more curious. The new developements (Blogs, Community-Catalogues, Bookfairs, High-End-Booksellers with individual profiles) he could not longer understand. So laying in front of his höhl he dreamed and gloomed and bruted of the fine and friendly old times and more and more tears ran dirtily over his ugly face.


12. Surely, Kroko all his life had been a bad person. Bad person, very bad person, yes, but what’s up? No one uf us is sine fault. Isn’t it? No one through the first stone!


13. With a last strong effort old Kroko decided passionately to write his confessions as a guide for others. But he could not hold the pen in his mouth. So I have done it.


14. Finally, when Kroko saw Death come, he layed down and called his adepts and followers together, to publish his last will. But there came no, cause there were no. Kroko noticed it, and quite content he spoke to himself: “Never mind, Kroko, old monster! When all my life I was luckless, wouldn’t it be not strange, if in the last moment I should be favorated by faith?”

After this Kroko lived still seven years, joyless, despised and rejected by the whole mankind, especially the International Ligue of Antiquarian Booksellers. But all’s well, that ends well. When Kroko endly endly gave back his granty seel to the Lord, middle Europe was released from his greatest moving cucumber. Peace came over Black Forest and the Antiquarians – until a new Kroko rises from the muddy waters of some lake in the outback.


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Wer als erster korrekte Angaben zur Original-Vorlage dieser Kolportage machen kann,

erhält ein von uns ausgewähltes Buchgeschenk


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NACHTRAG 18.35 UHR:


DAS RÄTSEL IST GELÖST, AND THE WINNER IS M.H. AUS B.-WESTEND:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!


Der Text findet sich unter dem Titel News from Grendel mit nur wenigen Abweichungen in Eckhard Henscheids Sammelband Ein scharmanter Bauer (FrankfurtM. 1980, Seite 306ff.): Sehr lesenswert. Wer einmal keltische und germanische Annalen und Heiligenlegenden durchpflügen mußte, so wie ich in meinem ersten Leben, wird die subtile Ironie von Henscheids Text zu schätzen wissen! - Und weil es sich um eine etwas böse Kolportage handelt, möchte ich an dieser Stelle betonen, daß sich diese natürlich nur auf den selbstgewählten Avatar (eben das Krokodil) bezieht, nicht aber die Person, die hinter diesem Avatar sich keusch verbirgt, und die zu schmälern oder schmähen ich nicht beabsichtigte: wirklich nicht.


Danke für die amüsante Nachmittagsunterhaltung und freundliche Grüsse!


Ihr Otto W. Plocher

Dienstag, 18. August 2009

Niedersachsens Ebb' und Fluth...


...haben sich, liebe Leser, in einer über die Jahrhunderte recht veränderlichen Küstenlinie niedergeschlagen. Besonders schwerwiegende Veränderungen ergaben sich dabei in der unmittelbaren Umgebung unseres Antiquariats, der nordoldenburgischen Region um den Jadebusen, im Stadland, in Butjadingen und
der Friesischen Wehde (als Teil der mittelalterlichen friesischen Seelande auch unter dem Landschaftsnamen "Rüstringen" bekannt). Die heutige Form des Jadebusens ist auf der Landkarte, die ich Ihnen heute zeigen möchte, nur zu erahnen. - Zur Geschichte der Küstenlinie vielleicht ein anderes Mal ausführlicher. Heute möchte ich Ihnen nur kurz und knapp die folgende Landkarte aus unserem Lager präsentieren. Sie können die Abbildungen wie immer durch Anklicken vergößern.

Diese ca. 36 x 46 cm große Karte stammt aus einem von Gerhard Mercator gegen Ende des 16. Jahrhunderts entworfenen Atlas und dürfte um das Jahr 1610 herum gedruckt worden sein. Sie zeigt, wie auf der ornamentalen Roll- und Beschlagwerkskartusche links oben ausgewiesen, den nördlichen Teil Niederdeutschlands (als Teil der historischen Landschaftsbezeichnung "Westfalen") und die Diözese Bremen in altem und kräftigem Grenz-, Landschafts- und teilweise auch Flächencolorit. Im Osten grenzt die Karte an das Herzogtum Lüneburg und das Bistum Verden, im Westen an die heute niederländischen Bezirke Westfrieslands. Im Norden bildet die Nordsee die natürliche Grenze, im Süden das Artland und die Grafschaften Hoya und Diepholz. Die Karte umfaßt das heutige Nordwest-Niedersachsen zwischen Elbe und Ems, zwischen Nordsee und Dümmer. Auf der Rückseite der Karte findet sich die dazugehörige landeskundlich-geographische Beschreibung in französischer Sprache.


Die Karte selbst zeigt einen kräftigen Druck und ist sehr gut erhalten; der Mittelfalz unauffällig. Allerdings ist der Rand des Blattes etwas fleckig und weist zwei kleine Löcher (offenbar produktionsbedingte Oxydationsspuren eingeschlossener Fremdkörper) auf, die bei einer Rahmung aber nicht ins Gewicht fielen. Eine Ausschnittsvergrößerung zeigt ansatzweise die gute Druckqualität und den Detailreichtum der Landesaufnahme (im Original noch schärfer als bei der etwas kondensierten digitalen Abbildung). Daß dabei einige Ortschaften gerade in der Nähe der veränderlichen Küstenlinie nicht in ganz exakter Relation angeordnet sind, erhöht für den heutigen Betrachter nur den Reiz des Dargestellten.



Werfen wir einen Blick auf die unmittelbare Umgebung unseres Antiquariats, das heute in 4 Kilometer Entfernung südöstlich von der unteren Küste des Jadebusens entfernt liegt (wenn Sie bei Google Earth vergleichen wollen: HIER KLICKEN). Wir finden den heutigen Kurort Dangast als gün colorierte Insel im südlichen Jadebusen, knapp darunter die Stadt Varel und den Ort Jaderberg ("Iaborch"). Gehen wir weiter östlich bis kurz vor die Weser, müßten wir den Ort Rodenkirchen finden, der auf der gleichen Breite wie Varel liegt. Mercator aber ordnet Rodenkirchen etliche Kilometer weiter nördlich, in Butjadingen, als "Rokerke" an (noch heute gibt es den legendären "Roonkarker Maart" als Volksfest). Ebenso das in der Wirklichkeit viel weiter südlich gelegene Ovelgönne. Obbehausen, das heutige Abbehausen, ist auf der Karte auch deutlich nach Norden gewandert. Strohausen hingegen, direkt beim heutigen Rodenkirchen gelegen, hat Mercator recht weit nach Westen verschoben. Golzwarden, wenig nördlich von Brake, (auf der Karte "Golsworden" und "Ter Brak"), liegt bei Mercator ca. 30 Kilometer zu weit nördlich gegenüber von Stotel.

Wo aber liegt Achterstadt? Der Ort ist nach dem Kartenbild nur zu interpolieren. Überschwemmt war das hiesige Moorgebiet zwar des öfteren, aber eine dauerhafte Braken- oder Seebildung ist nicht übermittelt, so daß wir einstweilen von einer idyllischen Lage im damaligen, von der Jade noch vom Festland abgeschnittenen "Stadium" (heute: Stadland) ausgehen, an dessen schmalster Stelle, zwischen Obbehusen und Esesham, von zwei Seiten vom Meere bedroht. Fluctuat nec mergitur!

Die Karte - dies als abschließende Bemerkung für heute - ist natürlich in unserem Antiquariat käuflich zu erwerben und als solche wohlfeil. Näheres auf Anfrage.

Diesen Beitrag widme ich Abraham Ortelius und seinem ausgezeichnetem Septentrio-Blog, der unter dem Motto "Cavendum a meretricibus" viel hervorragendes historisches Bildmaterial neben einigem Buchgeschichtlichen bietet und auf den ich Sie besonders hinweisen möchte.

Danke für Ihr Interesse, Ihr Otto W. Plocher

Freitag, 14. August 2009

Gemeinschaftskatalog der Antiquare online


Liebe Leser,

Der Ende Mai in Druckform erschienene Gemeinschaftskatalog der Antiquare 2009 mit 93 Teilnehmern, herausgegeben von der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ), ist seit heute im Internet zu bestaunen und online durchzublättern. Wir sind auch mit einigen Büchern in dem Katalog vertreten.

Wenn Sie auf die Abbildung klicken, gelangen Sie direkt zum Katalog. Viel Freude bei der Lektüre!

Falls Sie die gedruckte Ausgabe des Katalogs bestellen möchten, wenden Sie sich bitte an folgende Adresse:

GIAQ - Luxemburger Strasse 31 - 13353 Berlin
Tel. 030-46604908 - service[@]prolibri.de

Mit freundlichen Grüssen Ihr OW Plocher

Donnerstag, 13. August 2009

Hamburger Antiquariats-Messe QUOD LIBET 2009



Liebe Leser,


in diesem Jahr findet vom 13.-15. November die Antiquariats-Messe QUOD LIBET mit über 45 Teilnehmern in der Hamburger Börse, Adolphsplatz 1, statt. Die Öffnungszeiten sind: Freitag 15-20 Uhr, Samstag 11-18 Uhr, Sonntag 11-17 Uhr.

Der Katalog zur Messe kann bei der Veranstalterin, Frau Luckwaldt, Brüchhorststraße 34, 24641 Sievershütten, Tel. 04194-8101, e-mail: frauke[@]luckwaldt.de, gegen eine geringe Schutzgebühr angefordert werden.

Auch wir sind mit unserem Geschäft auf der Messe vertreten und würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen. In den nächsten Wochen wollen wir Ihnen auf diesem Blog einige der von uns anläßlich der Messe angebotenen Werke präsentieren.

Vielen Dank für Ihr Interesse, und Vivat Hammonia antiquaria!

Mit freundlichen Grüssen, Ihr Otto W. Plocher



Dienstag, 11. August 2009

New Cats on the Blog I


Liebe Leserinnen (und natürlich auch Leser),

dieser wirklichen und wahrhafftigen Antiquariatskatze namens Ginger haftet etwas Luchsartiges, unverstellt Naturhaftes an. Obwohl ihr Besitzer, der Kollege Brezina aus Moosburg, glaubhaft versichert, daß Ginger in seiner großen Handbibliothek selbsttätig die wichtigsten Reisebibliographien nachschlagen und mithilfe des Haebler auch Plattenstempeleinbände bestimmen kann (freilich nur signierte), stellt sie vor allem auf dem unteren Bild jene indignierte Saturiertheit zur Schau, die es einem echten Gentleman unmöglich macht, an eine Aufforderung zur aktiven Mitarbeit auch nur zu denken. Nicht zuletzt aufgrund der Tätigkeit des Kollegen Brezina im örtlichen Fischereiverein ist Gingers Ernährungsstand als erfreulich zu bezeichnen. Als Dank blockiert sie die Schreibtischschublade, den Regionalteil der Moosburger Zeitung und schaut recht unwillig drein. Wir meinen: Gut gemacht, Ginger! und: Ad multos annos!




Montag, 10. August 2009

Kupfer zu Eberts "Naturlehre"


Liebe Leser,


hier einige Kupferstiche aus Eberts Naturlehre. Die genaue Beschreibung des Buches finden Sie in dem untenstehenden Post [Books: Eberts Naturlehre].


Viel Vergnügen beim Betrachten der Bilder, die Sie durch Anklicken vergrößern können, wünscht Ihnen

Ihr Otto W. Plocher


Sonntag, 9. August 2009

„Eine Quelle von tausend Vergnüglichkeiten“



Eberts Naturlehre für die Jugend



Liebe Leser,


heute möchte ich Ihnen ein naturgeschichtliches Werk des späten 18. Jahrhunderts aus unserem Lagerbestand vorstellen. Auch wenn es nicht unmittelbar neben den ganz großen, prachtvoll colorierten Editionen der Zeit steht, den Röselschen Insecten-Belustigungen, dem Conchylien-Cabinett Martinis oder Frisch' Vorstellung der Vögel in Deutschland, ist ihm trotzdem ein Platz in der Geschichte der naturhistorischen Literatur sicher. Als beliebte Jugendlektüre war es in zahlreichen Haushalten der „Generation Goethe“ vertreten und wurde wegen seiner schönen Abbildungen, seines informativen Gehalts und des zeittypischen Briefstils, der den kleinen Lesern Belehrendes in verdaulicher Portionierung vorlegte, geschätzt.




















Zunächst die Titelaufnahme und Zustandbeschreibung, danach der erläuternde Kommentar


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Johann Jacob Ebert: Naturlehre.


Erster [bis dritter] Band. Troppau, gedruckt bei Joseph Georg Traßler, und im Verlage der Kompagnie. 1785.


Kl.-8°. [I] 559, (1); [II] 494, (1); [III] 528 Seiten. Mit coloriertem Frontispiz und zusammen 49 handcolorierten, meist einfach gefalteten Kupferstichen. Etwas spätere, braun marmorierte Pappbände mit roten Rückenschildern, vergoldeter Titelprägung und schlichten Goldfileten an den Kapitalen.


Die Ecken und Kapitale der nicht auffällig luxuriösen, aber ansprechenden Einbände gering bestoßen und berieben, Rückenschild von Band 3 mit minimalen Ausbrüchen. – Die Vorsätze mit kleinen Datumsstempeln des 20. Jahrhunderts. – Kleiner Teefleck auf dem Schnitt von Band 3, minimal auf die Seitenränder ausgreifend. - Titel von Band 1 etwas angestaubt und gering fleckig, Colorierung des Frontispiz etwas abgeklatscht. Titelblatt von Band 2 mit ordentlich ausgebesserter, wohl produktionsbedingter Fehlstelle (minimaler marginaler Buchstabenverlust). - Der Text insgesamt fast nicht gebräunt und sauber, wenn auch gelegentlich im Druck nicht ganz satt. Wenige, unbedeutende Braunflecken. – Die montierten Kupfer meist außerhalb der Darstellung vereinzelt mit geringen Fleckchen und Bräunungen, das Trägerpapier zum Bund hin bei einer Tafel sauber hinterlegt. Eine Tafel (Tapir) im Bildhintergrund wenig störend gebräunt, eine weitere (Vogel Strauß) mit nicht durchschlagender Bräunung recto. Eine Tafel etwas schräg bis eng vor den Bildrahmen beschnitten. Ein halbes Dutzend der Tafelränder (astronomische Darstellungen in Band 1) etwas vorstehend und am Rand daher gering gebräunt, die Falze und Tafelränder ansonsten alle für ein Werk dieser Art ungewöhnlich unversehrt und frisch. – Die Kupfer zum Teil blockweise in den falschen Band eingebunden, was jedoch aufgrund deren deutlicher Numerierung nicht sehr ins Gewicht fällt. – Erfreulich wohlerhaltene Ausgabe in gutem, sauberem Altcolorit und uniformen Einbänden des frühen 19. Jahrhunderts.


Poggendorff: Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften I, Spalte 641. – Wegehaupt: Alte deutsche Kinderbücher No. 515. – Brüggemann/Ewers: Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur III, Seite 1010ff. gibt 48 Kupferstiche an. (Die genannten Bibliographien verzeichnen nur die seltene, größerformatige Originalausgabe von 1776-78 bei Weidmann in Leipzig).


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Kommentar:


Der Verfasser (geboren 1737 in Breslau, gestorben 1805 in Wittenberg) lehrte Mathematik an der Universität zu Wittenberg. Das Ziel seines Werkes, erstmals 1776-78 erschienen, war es, ältere Kinder und Jugendliche „von der Vortrefflichkeit der Naturlehre zu überzeugen und sie nach einer vollkommenern Kennntniß dieser Wissenschaft begierig zu machen", wie er selbst im Vorwort ankündigt. Die Zielgruppe bestand in Kindern „vornehmlich aus dem gebildeten Bürgertum und dem Adel“ (Brüggemann / Ewers); es ist aber für den Beginn des „bürgerlichen Zeitalters“ bezeichnend, daß von dem ursprünglich sehr teuren Werk einige Jahre später ein etwas weniger aufwendiger Nachdruck, den sich eine breitere, bildungsbeflissene Schicht leisten konnte, in Troppau erschien. Zu diesem Nachdruck zählt unser Exemplar.


In insgesamt 275 „Briefen“ behandelt Ebert die gesamte Naturlehre der drei Reiche, des Mineral-, Pflanzen- und Tierreichs, indem er von den mikro– und makrokosmischen Voraussetzungen, den „allgemeinen Eigenschaften der Körper nebst ihren vornehmsten Unterschieden“, ferner der „Einrichtung des Weltgebäudes“ ausgeht, also mit der Physik und Astronomie als Elementarwissenschaften einleitet, sodann ausführlich zur Zoologie und Botanik übergeht und mit Briefen zum Mineralreich schließt. Seine Naturlehre ist einerseits motiviert von den neuesten Ideen der aufklärerischen Pädagogik, welche die Wichtigkeit einer frühen „vernünftigen Erziehung und Bildung“ betont (Basedow und sein Elementarwerk mögen stellvertretend genannt sein), andererseits steht sie in der Tradition physikotheologischen Gedankenguts. Die Physikotheologie, eine vielschichtige Bewegung der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, suchte -vereinfacht gesagt- Belege für die Existenz Gottes durch die genaue Betrachtung der Natur zu sammeln. Der Schöpfer habe sich in seiner Schöpfung den Menschen offenbart, nun sei es die Aufgabe des Menschen, die Natur zu erforschen und auf dem Wege eines „natürlichen Gottesdienstes“ dem Ewigen zu huldigen. Bei Ebert laufen diese beiden aufklärerischen Linien zusammen:


„Überdies enthält außer der Offenbarung keine Wissenschaft so viele und so wichtige Beweise von der Allmacht, Weisheit und Güte des Schöpfers, als die Naturlehre. Sie ist das beste Mittel wider den Aberglauben und die daraus entstehende unnötige Furcht. Sie ist eine Quelle von tausend Vergnügungen und Annehmlichkeiten...“.


Das aufklärerische Ziel des „Prodesse et delectare“, des „Nutzens und Erfreuens“, spricht aus diesem Zitat. Brüggemann/Ewers bemerken treffend, daß in der Naturlehre die „curiosen Fälle ... einen besonders breiten Raum einnehmen“, was die Lektüre über weite Strecken delektabel und unterhaltsam macht. Nicht alle Mythen und Legenden werden von Ebert widerlegt: Zwar bestreitet er die Legende vom Vogels Phönix; „die Geschichte vom „sprechenden Hund“, von dessen Existenz sich 1715 die Pariser Akademie der Wissenschaften überzeugt habe“, wird aber „für bare Münze genommen“.




Von besonderem Interesse sind die 49 Illustrationen, die den drei Bänden als Anhang beigegeben sind. Die Tafeln des ersten Bandes zeigen astronomische Motive, physikalische Experimente, eine Kompaßrose, Wirbelstürme auf dem Meer, Lichtbrechung und Regenbögen sowie Walfische und Meerestiere (der zoologische Teil der Kupfer wurde, absichtlich oder irrtümlich, in Band 2 verbunden). Die Tafeln des zweiten Bandes (teilweise wiederum in den dritten Band verbunden) beinhalten schöne Schmetterlings– und Insektendarstellungen, Korallen und Landsäugetiere, darunter Elefant, Faultier, Seehund, Kamel und Dromedar. Die Abbildungen des dritten Bandes zeigen (Menschen)Affen und Pflanzen. – Die unsignierten Kupferstiche sind meistensteils bekannten Werken der Naturgeschichte entnommen und verkleinert nachgestochen, so z.B. Rösel von Rosenhofs Insecten-Belustigungen (Schmetterlinge), Egede–Saabyes Naturgeschichte Grönlands und Zorgraders Beschreibung des Grönländischen Walfischfangs und Fischerei (Walfische), Catesbys Werken über Vögel und Fische sowie dem Herbarium Blackwellianum (nach Brüggemann/Ewers und eigener Autopsie). Das spricht für den wissenschaftlichen Ernst der Naturlehre, die eben nicht nur unterhalten, sondern durch möglichst genaue und authentische Bebilderung auch nützen will.


Einige Abbildungen habe ich für Sie in diesen Text eingebaut, weitere finden Sie aus technischen Gründen in dem vorhergehenden, separaten Post [Kupfer zu Ebert]. Sie sind alle einzeln von Hand akkurat coloriert. Auf den Schmetterlingsflügeln können Sie noch die einzeln gesetzten Deckweiß-Punkte sehen und fühlen. Jugendbücher, die Abbildungen enthielten, wurden natürlich gern und oft angeschaut und sind meistens in einem bedauerlichen Zustand. Manchmal fehlen Tafeln, oder die vorhandenen Tafeln sind stark verschmutzt und eingerisssen. Unser Exemplar fällt durch seinen sehr guten Gesamtzustand auf und ist dadurch auch als schönes Geschenk für Jugendliche und naturhistorisch Interessierte geeignet, wenn dieses werbende Wort in eigener Sache zum Schluß hin noch erlaubt ist. Mich jedenfalls hätte man zur Kinderzeit mit diesem bunten Kosmos zwischen sechs Buchdeckeln für eine lange Zeit sehr glücklich machen können.


Ich danke Ihnen für Ihr Interesse!


Ihr Otto W. Plocher




Freitag, 7. August 2009

Revolutionäre Universalmaschine für Antiquare


...und da sage man noch, Träume wären nur Schäume.



Allen Kolleginnen und Kollegen aus der Emailrunde versöhnlich gewidmet

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Disclaimer: This is not the machine that goes PING.
The machine that goes PING is still under construction.
We do apologize for that.
And now for something completely different.



Donnerstag, 6. August 2009

Ist eine Bibliothek ohne Katzen denkbar?


Jamais!


"Du Tier" on Captain's Swivel Chair


"Grautier", Vorzugsausgabe von Klopstocks Oden zerschlafend


"Grautier" hält eine Audienz für "Du Tier"


"Grautier" und "Du Tier" nach erfolgreichem Ankauf


Für Nicole Rensmann und alle Bücherfreunde, Sammler und Kollegen, die ohne Katz' nicht können.

Dienstag, 4. August 2009

Rührendes Dokument kindlicher Bücherliebe


Liebe Leser,


Kinder sind doch was Schönes, vor allem, wenn sie das tun, was man will, und erst recht, wenn sie das tun, was zu wollen man nie gewagt hätte. Diesen Blog-Eintrag widme ich meiner Tochter Emily, die morgen ihren Dienst in der ersten Klasse des Gymnasiums antritt. Möge ihr Schicksal leicht werden!


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Mesdames et Messieurs, halten Sie Ihre Taschentücher bereit. Ich möchte Ihnen von einem anrührenden Zeugnis kindlicher Bücherliebe aus den Weiten der norddeutschen Ödmark berichten, welche in den Annalen der Bibliophilie ein Ehrenplatz einnehmen wird. Das Wunder manifestierte sich am ersten Tag des Erntemondes im Jahre MMIX in Süderschwei, Gemarkung Achterstadt, gegen 8.00 Uhr morgens, während der brave Landmann, gebeugt von Orkan und Regenschlag, mühselig die Krume bestellte und der Verfasser dieser Zeilen, ermattet von nächtlichen Studien, sich ahnungslos noch auf dem Lager wälzte.


Oh, während die Kinderwelt schon fest im frostigen Würgegriff der X-Boxes, Nintendos und Playstations lag, wuchs unter dem Leichentuch dieses ewigen Eises der Lebenszerstäubung noch ein zartes Blümlein des Guten, Wahren und Schönen heran, zu verwundern die Gelehrten, zu erstaunen die Laien... ein wenig bildlich gesprochen, ach gar.


Die Vorgeschichte nur schnell erzählt: Der Kollege Keller, ein strenger aber gerechter Nachfahre des Giannozzo Jean Pauls (Gott allein weiß, wo dieser braver Mann derzeit seine Schäflein scheert) hatte mich derb gegeißelt, weil ich die elfbändige „Geschichte der königlichen Akademie der schönen Wissenschaften zu Paris“, die Mutter aller Akademieschriften, in eine -wenn auch nur virtuelle- Nähe zu den „Moralischen Vorlesungen“ des Spätpietisten Christian Fürchtegott Gellert gerückt hatte (beide dienten mir als Hintergrundbilder).


Die Sache gab mir zu denken. Sollten sich die beiden Werke, in der realen Welt meines Bücherregals tatsächlich nah beieinander stehend, etwa neutralisieren wie zwei Salze? Nähme der Gellert eventuell den Pariser Akademisten etwas von ihrer kühlen cartesischen Klarheit, saugten die weltmännischen Franzosen dem Fabeldichter sein hypochondrisches Duodezleben aus? Stand sogar eine Neuauflage der erbarmungslosen Schlacht der Bücher in der Library of St. James zu befürchten, die Swift so eindrücklich geschildert hatte? Vorsichtshalber trennte ich die beiden Reihen und stapelte die Pariser zur Linken, den Verfasser der „Schwedischen Gräfin“ zur Rechten des Tisches, getrennt von einigen Folianten des in allem ziemlich neutralen British Museum General Catalogues und ging ins Bett.


Am Morgen danach schlich mein Kind in aller Herrgottsfrühe in die Bibliothek, um auf Youtube ungestört 10-20 Folgen von „OC California“ bzw. „Die Simpsons“ in sich hineinzugucken und zeitgleich einen Berg Chips mit Gummibärchen zu verschlingen, entdeckte die Akademieschriften, vergaß Youtube, Chips, die Simpsons und verfertigte, überwältigt von der ästhetischen Qualität der paneelierten Ledereinbände, dem Glanz der diversen umlaufenden Goldfileten, der Accuratesse der von dem Zierwerk eingegrenzten, dreifarbig gesprenkelten Rhomben, Dreiecke und Trapeze, die nebenstehende Zeichnung.


Daß sich bei der Abschrift des Titels ein bedeutender Fehler eingeschlichen hatte („Wissenschaft“ statt „Wissenschaften“), war dem unschuldigen Menschlein leicht zu verzeihen, führte aber zur Streichung der Tagesration an Fruchtzwergen. Man vergleiche den kindlichen Entwurf mit dem oben abgebildeten Original! Dafür, daß die Eckfleurons nicht adäquat dargestellt sind, hat sich das kleine Wesen bereits unter Tränen bei mir mit den Worten entschuldigt: „Vater, verzeih’ mir bitte, daß die Eckfleurons nicht adäquat dargestellt sind!“ – Nun ja, man ist ja kein Unmensch. Es kostete mich große Überwindung, ihr die Erdbeeren mit Vanillecreme zu verweigern; freilich war die Portion schon für mich klein genug.


Abgesehen von diesen -zugegebenermassen eklatanten- Mängeln in der zeichnerischen Titelaufnahme (die ich trotzdem vielen schriftlichen, im Internet gefundenen, vorziehe) lehne ich mich zurück, falte die Hände und schaue zufrieden auf die Frucht meiner Lenden, mich in der ruhigen Sicherheit wähnend, daß die unnachgiebige Strenge meiner bibliographisch-bibliophilen Erziehung, gepaart mit der erbarmungslosen Dressur bei der Unterscheidung und Beschreibung von Einbandvarianten, Papierqualitäten und Typographien, daß all die Stunden des Auswendiglernens von Haemmerles „Buntpapier“, von Otto Schäfers „Einbandkunst aus sechs Jahrhunderten“ und Bogengs „Die großen Bibliophilen“ nicht gänzlich auf unfruchtbaren Boden gefallen sind...



Wie? Alles erfunden und erlogen? Naja, nicht ganz.


Das Bild ist wirklich unbemerkt und ganz aus freien Stücken entstanden Reine Freude am Spiel hat meinem Töchterlein den Buntstift geführt – Mit Geschrei trieb sie mich aus dem Bett, die Zeichnung zu belobigen und an prominenter Stelle aufzuhängen – Stolz wie ein Brontosaurus war sie auf das Gemalte und wurde nicht müde zu betonen, dies sei das beste Bild ihres Lebens, ob mir das wohl aufgefallen sei? – Jede schüchterne, von mir nur zu Alibizwecken vorgebrachte Kritik wurde gnadenlos niedergeknüppelt – Zu vollem Glanze erstrahlte das neu gewonnene Selbstbewußtsein bei der von mir erbettelten Signierung des Götterwerks – Ein maghrebinisches Feilschen um unmässigen Lohn für das Gemalte hob an – Der Rest des Tages war, wie billig, der Récréation, vulgo: dem "Chill-out" gewidmet Apokalyptische Mengen von Fruchtzwergen und Erdbeeren mit Vanillecreme wurden, in Kauerstellung vor dem brüllenden Fernseher, verschlungen – Und schließlich teilte das kleine Mensch mir mit, daß es durch die vollbrachte Großtat nunmehr „ein richtiger Antiquar“ geworden sei – und das ist doch a) kaum zu leugnen und b) wohl das Allerschönste an der Geschichte, oder?


Bitte nehmen Sie diesen Bericht als Produkt tumben Vaterstolzes und launiges Sommerintermezzo gnädig auf. "Es kommen härtere Tage".


Mit freundlichen Grüssen Ihr Otto W. Plocher