Dienstag, 11. August 2009

New Cats on the Blog I


Liebe Leserinnen (und natürlich auch Leser),

dieser wirklichen und wahrhafftigen Antiquariatskatze namens Ginger haftet etwas Luchsartiges, unverstellt Naturhaftes an. Obwohl ihr Besitzer, der Kollege Brezina aus Moosburg, glaubhaft versichert, daß Ginger in seiner großen Handbibliothek selbsttätig die wichtigsten Reisebibliographien nachschlagen und mithilfe des Haebler auch Plattenstempeleinbände bestimmen kann (freilich nur signierte), stellt sie vor allem auf dem unteren Bild jene indignierte Saturiertheit zur Schau, die es einem echten Gentleman unmöglich macht, an eine Aufforderung zur aktiven Mitarbeit auch nur zu denken. Nicht zuletzt aufgrund der Tätigkeit des Kollegen Brezina im örtlichen Fischereiverein ist Gingers Ernährungsstand als erfreulich zu bezeichnen. Als Dank blockiert sie die Schreibtischschublade, den Regionalteil der Moosburger Zeitung und schaut recht unwillig drein. Wir meinen: Gut gemacht, Ginger! und: Ad multos annos!




Kommentare:

  1. Guten Tag Ginger - schön, daß ich auf diesem Weg von Dir erfahren habe. Wie Du, im Gegensatz zu vielen Menschen, die mit Euch zusammenleben, sicher weißt, gehörst Du zu einer speziellen Unterart der Hauskatze, nämlich der »Working Cat«. Zwar hat der Katzenkenner Axel Eggebrecht schon 1927 in seinem Buch »Katzen« geschrieben, »Der Fleiß ist für die Katzen noch nicht erfunden.« Aber damit hat er, Du wirst das bestätigen können, nur teilweise Recht. Wirkliche Kenner der Feliden wissen nämlich, daß Ihr seit vielen, vielen Jahren in Bibliotheken, Postämtern, Bahnhöfen, ja sogar beim Militär arbeitet, und dafür sogar in den Haushalten dieser Institutionen etatisiert worden seid. Hauptsächlich bestand Eure Arbeit natürlich in der Mäusevertilgung. Aber es gibt ja auch die Stars unter Euch, die in der Werbung, im Zirkus sowie in Film und Fernsehen arbeiten … und noch in vielen anderen Branchen.
    Schau doch mal im Antiquariat Deines Menschen, bei dem Du Dich ja sehr wohl zu fühlen scheinst, nach diesen beiden Büchern, die bestimmt irgendwo rumliegen:
    Terra deRoy Gruber »Beruf: Katze« und
    Detlef Bluhm (ja, das bin ich) »Katzenspuren – Vom Weg der Katze durch die Welt«
    Angeregt von Grubers Bildband habe ich – in aller Bescheidenheit gesagt – in meinem Buch die erste umfassende Darstellung der Working Cat gegeben. Das wird Dich interessieren. (Ich gehe einfach davon aus, daß Du wie E.T.A Hoffmanns Kater Murr inzwischen auch lesen gelernt hast.) Auf Seite 335 meines Buches findest Du übrigens ein Bild von Paul, dem Kater, der mir die Ehre seiner Zuneigung und Gesellschaft erteilt. Paul bewacht gerade das Lager einer Weinhandlung bei mir um die Ecke.E r hilft dort manchmal aus. Vielleicht schreibst Du mir ja mal, was Du so im Antiquariat tust
    Jedenfalls grüße ich Dich ganz herzlich! Ach a, Deinen Menschen auch.
    Dein Detlef

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  2. Sehr geehrter Herr OW Plocher,
    erst spät komme ich auf Ihr Blog - wäre der Kollege Keller nicht gewesen, ich wäre heut noch nicht hier - und nach längerem Studium ergibt sich für mich doch die dringende Notwendigkeit zu a) einer rügenden Anmerkung und b) einer interessierten Frage.
    a) Herr OW Plocher, wissen Sie eigentlich, daß es im Showgeschäft, als deren verlängerten Arm ich Ihr Blog betrachte, als mehr als unfein gilt, mit 1. Tieren und 2. Kindern zu operieren? Kinder und Tiere zur Sympathie- und/oder Konsensgewinnung einzusetzen hat im Showgeschäft ungefähr den moralischen Stellenwert von Epo-Doping im Sport, Wahlfälschung in der Politik oder dem Einsatz von Atombomben im Krieg. Irgendwie schmutzig. Die emotionale Beinschere gewissermaßen. Ich denke, das sollten Sie wissen, bevor das jetzt immer so weitergeht.
    b) Eine Frage: Wofür steht das W in Ihrem Namen? Wiesengrund? Waldemar? Walter? Oder gar Wilhelm?
    Ansonsten ruft Ihnen froh zu: Weiter so!
    Ihr
    M. Herbert Klapp

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  3. Sehr geehrter Herr Otto W. Plocher,
    ich muß mich entschuldigen: Es muß natürlich heißen: "...daß es im Showgeschäft, als DESSEN verlängerten Arm..." usw. usf., aber Ihre Liberalität und die damit verbundene Nachsicht sind ja sprichwörtlich, was mir ein Trost sein soll in diesem Moment, bitte sagen Sie dem Kollegen Keller nichts davon,
    herzlichst,
    Ihr
    Martin H. Klapp

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  4. Mein Herr!

    Mir war gleich nach dem ersten Kommentar des "Kollegen" Keller klar, daß dieser eine unwiderstehliche Anziehungskraft für weitere Stellungnahmen von berufenster Seite ausüben würde: Nun also! - Ihre kleinen generischen Verfehlungen ("deren - dessen": was ist dies angesichts der Ewigkeit, oh Donnerwort!) sehe ich Ihnen ohne weiteres nach, zumal meine Liberalität und Nachsicht tatsächlich sprichwörtlich sind; Herr Keller aber, der dieses Blog strengstens observiert, dürfte da weniger kulant sein und schon recht bald mit Schnee und Eis in Ihren Kommentar-Frühling einfallen.

    Ihre Ermunterung, wie billig, nehme ich dankend entgegen; Ihre sonstigen Ausführungen weise ich allerdings zurück und weiß mich unterstützt von jener geheimen Solidarität aller Wohlmeinenden, derer wir so dringend bedürfen. Wie, keine Tiere und Kinder im Showgeschäft (als dessen verlängerten Arm ich mein streng wissenschaftlich orientiertes Blog ohnehin nicht betrachte)? In einer Zeit, in der man bunte Uhren trägt, in der an jeder Ecke ein Grüßaugust steht und allgemeiner Nießbrauch gezogen wird, auch ungefragt, in einer Zeit, in der Werke der Hochliteratur sich überaus erfolgreich mit verkrachten Berliner Kneipenexistenzen befassen, die vermutlich viel infantiler und animalischer sind als die hier angezeigten Creaturen, in einer solchen Zeit sollte ich nicht den zarten Reiß des GutenWahrenundSchönen aufpfropfen dürfen?

    Andere sehen das anders! Schauen Sie: Mit der Katze des Kollegen Brezina wird sogar schon gesprochen. Nur leider hat sie noch nicht geantwortet; wohl deshalb, weil die Verhältnisse da unten doch nicht so idyllisch sind und das arme Tier unter scharfem Kuratel steht, da hinten.

    Ihre Anfrage nach der Auflösung des "W" in meinem Vornamen beantworte ich gerne: Es steht für "Wermuth". Mein Vater hatte anläßlich meiner Geburt ein Fläschchen dieses unterschätzten Getränks geleert - ist ihm das vorzuwerfen? Naja, vielleicht.

    Verbindlichst Ihr OW Plocher

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  5. Christian Keller20. August 2009 um 15:16

    Wertester Kamerad, vielliebter, vielmögender ! Freund des Augustus und Kenner aller Soldaten- und Kinderkaiser ! Da ich endlich weiß, wie ich dem Kollegen Plocher gefallen kann, wage auch ich mich aus dem Unterstand. Kamerad Klapp : wenns irgendwo Mommsen gab, da waren Sie doch Gewehr bei Fuß und griffen Mommsen furchtlos ab, Sie stehen dem Gewerbe doch nicht fern, Sie wissen doch, wie´s ist : das Volk liest Asterix, wenns übers Imperium lernen will --- zu welchem Behufe das Volk nach dem sonntäglichen Kirchgang (da von der Kanzel nichtmal mehr was von Diokletian erzählt wird) sich auf seine Flohmärkte verfügt und in komplexeste Unterhandlungen tritt ... der Antiquar aber, der steht bleiern vor dem Exemplar, daß er von der Gibbon-Übertragung "Geschichte der Abnahme und des Falls des Römischen Reichs" (1788-1792, wie Ihnen wohlbekannt, in 14 Bänden bei Hessenland Magdeburg und Stahel Wien), die der arme schlesische Ritter Christian Wilhelm von Riemberg zwischen Arbeit, Sport und Spiel veranstaltet hat, verwesen darf, und extrableiern steht er vor dem 15. Band, dem Supplement. Denn Sie besitzen den Text natürlich als "History of the Decline and Fall of the Roman Empire" in einem zweibändigen Dünndruck, wie Sie mir einst anvertrauten, und Sie haben ihn studiert und er ist Ihnen jederzeit präsent. Natürlich haben Sie damit auch einen Kern erfaßt : Sie wollen Text, Sie tragen Text weiter, Sie leben streng Ideen. So nah Sie aber dem Antiquariat auch sind : Sie stehen außerhalb - und danken Sie Ihrem Schöpfer - des schwierigen Surplus, dem ein Antiquar sich verpflichtet wissen sollte : daß die Auffassung einer Idee angereichert zu werden vermag, wenn sie sich auf eine originale oder zeitnahe Vorlage beziehen kann --- ein Zusammenhang, leicht als Luxus diffamierbar(vielfach zurecht).
    Wer nun die These "Antiquariat darf sein" vertritt und ihr den Nachsatz anhängt "Es ist aber nicht die Kundschaft" --- wie soll der, wenn er Antiquar ist, noch eine Schranke kennen, wie soll der sich aufhalten lassen von einem dünnen Lack Ethos und nicht sämtliche strafunbewehrten Register der Kundenakquise ziehen ? Es gibt Günstlinge des Schicksals (die überlegen sich, ob sie Kunden sein wollen), es gibt die Verworfenen (die sind Antiquare) --- beide aber sind, wie unser gemeinsamer Freund M. G***** einst trefflich bemerkte, die "zwei Seiten einer Medaille". In diesem Fall vielleicht der Liebe zum Buch.
    Jedoch (und das nagt an mir und treibt mir die grünneidende Eifersucht in die Augen): ist Ihnen aufgefallen, wie sehr Kollege Plocher mit zweierlei Maß mißt ? Er liebt Sie, nie hätte er Ihres - wenn Sie nicht von allein darauf zu sprechen gekommen wären - "deren-dessen" Erwähnung getan. Mich aber liebt er nicht. Nicht nur, daß er mir den "Kollegem" in Anführung setzt. Moniert, daß mir vermeintlich in Sachen "Vertaux" und "Ventaux" ein Versehen unterlief, hat er auch. Meinen Sie, ich sollte den Sachverhalt klarstellen ? von meinem Zutrauen sprechen, daß ich hatte in die Kraft der Etyme ? daß ich leichtfertig dachte, Kollege Plocher vermöchte noch Vergnügen haben an deren freiem Spiel ? daß ich mit einem bloßen "windumtobt" nicht zufrieden war, sondern "vertex" noch mithineintun wollte, "vertex" und "veritas" ? Denn, Kamerad Klapp, das wissen Sie : es geht in der Philosophie nicht um das Gute, den Plocher, Unsterblichkeit, das hermeneutische Gadamer, die Bedingung der Möglichkeit von, sondern - cf. Pamina - : "Die Wahrheit ! Die Wahrheit !".
    Eingetroffen übrigens der Große Pauly. Interesse ?

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